Forschung

Die European Rolfing® Association ERA fördert und unterstützt wissenschaftliche Arbeiten zu Wirkungen und Wirkmechanismen von Rolfing®…

  • im physiologisch-medizinischen Bereich,

  • im Bereich Gesundheitsförderung,

  • im psychologisch-sozialen Bereich,

  • im anthropologisch-philosophischen Bereich.

Im physiologisch-medizinischen Bereich stützen die aktuellen Resultate der weltweiten Faszienforschung viele klinischen Erfahrungswerte der Rolferinnen und Rolfer. Die European Rolfing® Association (ERA) war ein wesenlicher Unterstützer des First International Fascia Research Congress an der Harvard Medical School in Boston 2007. Dieser Faszienkongress wurde weltweit wahrgenommen und positiv besprochen, selbst das renommierte Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtete ausführlich darüber. Die ERA ist weiterhin Unterstützer aller darauf folgenden internationalen Faszienkongresse (2009, 2012, 2015) wie zuletzt beim International Fascia Research Congress in Berlin 2018 und natürlich auch beim nächsten (6.) Kongress in Montreal 2022.

Dr. biol.hum. Robert Schleip, mit dem Vladimir-Janda-Preis ausgezeichnet, ist Forschungsdirektor der European Rolfing® Association. Zurzeit formiert sich ein wissenschaftlicher Beirat aus Wissenschaft und Forschung.

Ansprechpersonen:

Dr. biol.hum. Robert Schleip, Forschungsdirektor der ERA, http://www.fasciaresearch.de

Rolfing® SI Forschung

Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Rolfing

Erfahrungswerte zeigen, dass Rolfing Körperstruktur, Haltung und Bewegung von Klientinnen und Klienten effektiv und nachhaltig verändern kann. Auch Auswirkungen in psychischen Bereichen werden oft beschrieben. Bereits seit den 70er-Jahren gibt es Forschungen, die einzelne Wirkungen von Rolfing und deren Nachhaltigkeit wissenschaftlich belegen. Einige Studien sind unten aufgeführt (nicht abschließend).

Studien der aktuellen Faszienforschung geben weitere Hinweise, die für die Rolfing-Methode von Bedeutung sind oder sein könnten. Verwandte Forschung listet Studien auf, die unter Umständen neues Licht auf die Rolfing-Methode werfen.

Die European Rolfing Association sucht Partner in Wissenschaft und Forschung, um weitere Studien zur Wirksamkeit von Rolfing als Methode der Gesundheitsvorsorge durchzuführen.

1. Physiologische Studien

Eine aktuelle klinische Studie an 31 Patienten mit Halswirbelsäulen-Dysfunktionen konnte zeigen, dass eine 10er-Rolfing-Serie, ausgeführt von einem Advanced Rolfer, die Schmerzen signifikant reduziert und den Bewegungsradius im Halsbereich vergrößert, unabhängig vom Alter der Patienten [1].

In älteren physiologischen Studien wurde gezeigt, dass bereits eine einzelne Rolfing-Sitzung den Winkel der Beckenneigung und die Aktivität des Parasympathikus signifikant verändern kann [2,3]. Die Ergebnisse liefern einen theoretischen Beweis für den beobachteten klinischen Nutzen der Rolfing-Arbeit am Becken bei bestimmten Arten der Funktionsstörungen im unteren Rücken [4] sowie bei myfaszialem Schmerzsyndrom und anderen muskuloskeletalen Erkrankungen, die mit Belastungen des autonomen Nervensystems zusammenhängen.

Elektromyographische Untersuchungen deuteten bereits in den 70er-Jahren auf eine verbesserte Organisation und ein besseres Gleichgewicht des neuromuskulären Systems nach Rolfing-Interventionen hin [5]. Neuere Studien konnten ein verbessertes Gleichgewicht nach Rolfing bei myofaszialen Schmerzen bestätigen [6].

In spezifischen Einzelstudien wurde die Wirkung von Rolfing bei bestimmten Diagnosen evaluiert [7-11].

  1. Cottingham J. Shifts in pelvic inclination angle and parasympathetic tone produced by Rolfing soft tissue manipulation. Physical Therapy, 68:1364-1370, 1988 Zusammenfassung (PubMed)
  2. Cottingham J, Porges SW, Lyon T. Effects of soft tissue mobilization (Rolfing pelvic lift) on parasympathetic tone in two age groups. Physical Therapy, 68:352-356, 1988 Zusammenfassung (PubMed)
  3. Cottingham JT. Effects of soft tissue mobilization on pelvic inclination angle, lumbar lordosis, and parasympathetic tone: Implications for treatment of disabilities associated with lumbar degenerative joint disease. – Public testimony presentation to the National Center of Medical Rehabilitation Research of the National Institute of Health, Bethesda, MD; March 19, 1992. Rolf Lines 20(2):42-45, 1992
  4. Hunt V, Massey W. Electromyographic evaluation of Structural Integration techniques. Psychoenergetic Systems 2:199-210, 1977
  5. Findley TW et al. Improvement in balance with Structural Integration (Rolfing): A controlled case series in persons with myofascial pain. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation 85(9):e34, 2004
  6. Deutsch JE, Derr L, Judd P, DeMasi I, Reuven B. Outcomes of Structural Integration applied to patients with different diagnosis: A retrospective review.Proceedings of the XIV International World Congress of Physical Therapy, Barcelona, 2003
  7. Deutsch JE, Derr LL, Judd P, et al. Treatment of chronic pain through the use of Structural Integration (Rolfing). Orthopaedic Physical Therapy Clinics of North America 9(3):411-425, 2000
  8. Talty CM, DeMasi I, Deutsch JE. Structural Integration applied to patients with chronic fatigue syndrome: a retrospective chart review. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 27(1):83, 1998
  9. Deutsch JE, Judd P, DeMassi I.. Structural Integration applied to patients with a primary neurologic diagnosis: two case studies. Neurology Report 21(5):161-162, 1997
  10. Perry J, Jones MH, Thomas L. Functional evaluation of Rolfing in cerebral palsy. Developmental Medicine and Child Neurology 23(6):717-729, 1981

2. Psychologische Studien

Eine kontrollierte klinische Studie konnte einen nachhaltigen positiven Effekt von Rolfing auf die allgemeine Ängstlichkeit von Probanden zeigen [1]. Die Ergebnisse wurden hinsichtlich der Rolle der Strukturellen Integration bei der Auflösung von in den Muskeln angesammelten emotionalen Spannungen erörtert. Eine psychophysiologische Studie zeigte eine größere Offenheit und besser modulierte Empfindlichkeit für Umweltreize nach Rolfing [2].

  1. Weinberg RS, Hunt VV. Effects of structural integration on state-trait anxiety. Journal of Clinical Psychology, 35(2), 1979
  2. Silverman J et al. Stress, stimulus intensity control, an the structural integration technique. Confinia Psychiatrica 16(3):201-19, 1973
  3. Hunt VV, Massey W, Weinberg R, Bruyere R, Hahn PM. A study of Structural Integration from neuromuscular, energy field & emotional approaches. Research Report submitted to Rolf Institute, UCLA Dept. of Kinesiology, 1977. Article (somatics.de)
  4. Pratt TC. Psychological effects of Structural Integration. Psychological Reports, 35(2):856, 1974

 

Faszienforschung   

Die Faszien – „Arbeitsmaterial“ der Rolferinnen und Rolfer – rücken in den Fokus der Forschung

Die Faszienstruktur des menschlichen Körpers ist die Grundlage für die Rolfing-Arbeit. Die aktuelle Faszienforschung ist für die Methode Rolfing daher von großer Bedeutung. Der Begriff „Faszien“ umfasst seit dem ersten internationalen Faszienkongress alle faserigen kollagenen Bindegewebsstrukturen als ein den gesamten Körper und alle Organe umhüllendes und durchdringendes Netzwerk.

1. Faszien im Bereich der Schmerzforschung

Neuere Forschungen zeigen: Viele Muskelschmerzen sind durch fasziale Irritationen ausgelöst oder zumindest verstärkt.

Beispiel Lendefaszie, im Bereich Rückenschmerzen früher kaum beachtet:

Die Lendenfaszie ist sehr dicht mit potentiellen Schmerzrezeptoren besiedelt, das Rückenmark reagiert besonders sensibel auf deren Reizung. Bei entzündlichen Zuständen im unteren Rücken ist diese Sensibilität deutlich erhöht [1]. Auch histologische Untersuchungen lassen vermuten, dass Mikroverletzungen in der Lendenfaszie eine häufige Ursache für Rückenschmerzen sind [2]. Diese und ähnliche Studien könnten die Bandscheiben als Ursache in einigen Fällen entlasten [3].

  1. Tesarz J, Tachuchi T, Mense S. Die Fascia thoracolumbalis als potentielle Ursache für Rückenschmerzen. Manuelle Medizin 2008; 46: 259
  2. Schleip R et al. Letter to the Editor concerning „A hypothesis of chronic back pain: ligament subfailure injuries lead to muscle control dysfunction“ (M. Panjabi). European Spine Journal 2007; 16: 1733-1735 Article (PubMed)
  3. Interview mit Schleip R. Rückenschmerzen, Faszien und Rolfing. BR2, Wissensredaktion. ARD Mediathek oder youtube

2. Faszien als Sinnesorgan

Die Plastizität – nachhaltige Verformbarkeit – von Faszien ist mit rein mechanistischen Erklärungskonzepten (wie Thixotrophie und Piezoelektrizität) nicht ausreichend zu erklären [3,4].

Faszien sind mit unzähligen Mechanorezeptoren innerviert [1,2]. Die gezielte Stimulation dieser Rezeptoren kann zu Veränderungen im Grundtonus der Skelettmuskulatur führen, zu einer Hemmung sympathikotoner Aktivierung, zu einer verstärkten Hydratisierung des bearbeiteten Gewebes sowie zu einer Zunahme der lokalen Propriozeption.

  1. Schleip R. Fascial plasticity – a new neurobiological explanation: Part 1. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 7(1):11-19, 2003. Abstract (somatics.de) // Download
  2. Schleip R. Fascial plasticity – a new neurobiological explanation: Part 2. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 7(2):104-116, 2003. Abstract (somatics.de) // Download
  3. Dölken M. Was muss ein Manualtherapeut über die Physiologie des Bindegewebes und die Entwicklung einer Bewegungseinschränkung wissen? Manuelle Medizin 2002; 40: 169-176
  4. Threlkeld AJ. The effects of manual therapy on connective tissue. Physical Therapy 1992; 72: 893-902

3. Faszien in Bewegung

Kraftübertragung bei Bewegungen geschieht nicht nur direkt über die Muskelsehnen zu den Knochen, sondern in erheblichem Maße auch über die intra- und extramuskulären Faszienbeutel [1]. Modellkalkulationen sprechen der Lendenfaszie eine signifikante Rolle bei der Stabilisierung des Rückens sowie beim menschlichen Gang zu [2,3].

  1. Huijing PA. Muscular force transmission necessitates a multilevel integrative approach to the analysis of function of skeletal muscle. Exerc Sport Sci Rev 2003; 31: 167-175
  2. Barker PJ et al. Effects of tensioning the lumbar fascia on segmental stiffness during flexion and extension. Spine 2006; 31: 397-405
  3. Zorn A et al. The spring-like function of the lumbar fascia in human walking. In: Findley TW, Schleip R, Hrsg. Fascia research – basic science and implications for vonventional and complementary health care. München: Elsevier; 2007: 188
  4. Schleip R, Naylor IL, Ursu D, Melzer W, Zorn A, Wilke HJ, Lehmann-Horn F, Klingler W. Passive muscle stiffness may be influenced by active contractility of intramuscular connective tissue. Medical Hypotheses 66(1):66-71, 2006.
  5. Schleip R, Klingler W, Lehmann-Horn F. Active fascial contractility: Fascia may be able to contract in a smooth muscle-like manner and thereby influence musculoskeletal dynamics. Medical Hypotheses 65(2):273-277, 2005.

4. Faszien und manuelle Intervention

Vermutet wird auch, dass die direkte Manipulation der für Schmerzen zuständigen Rückenareale die Faszien stimuliert, wieder propriozeptive statt nozizeptive Funktionen zu übernehmen [3].

  1. Chaudhry HR, Schleip R, Ji Z, Bukiet B, Maney M, Findley TW. Three-dimensional mathematical model for deformation of human fasciae in manual therapy. Journal of American Osteopathic Association, 2008. 108(8):379-390 Abstract (PubMed) // Download
  2. Chaudhry H, Huang C, Schleip R, Ji Z, Bukiet B, Findley T. Viscoelastic behavior of human fasciae under extension in manual therapy. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 11(2), Apr 2007.
  3. Heymann Wv, Böhni U, Locher H. Grundlagenforschung trifft Manualmedizin. Manuelle Medizin 2005; 43: 385-39
  4. Threlkeld AJ. The effects of manual therapy on connective tissue. Physical Therapy 1992.
     

Wenn Sie mehr über die Wissenschaft hinter Rolfing erfahren möchten, besuchen Sie bitte die Rolfing Research Foundation.

Wissenschaftlicher Beirat der ERA

Die Forschungskommission der European Rolfing Association ERA wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat namhafter Forscherinnen und Forscher.

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der ERA

  • Emeritus Prof. Serge Gracovetsky, PhD - Concordia University, Montreal, Quebec, Canada. His research about spine biomechanics and the so-called Spinal Engine is well known. Find articles by Gracovetsky in PubMed.
     
  • Niko Kohls, PhD - Psychologist. Research focus on relationship between spirituality and health. Head of the research area “Psychophysiology of Consciousness: Spirituality, Mindfulness, Quality of Life and Health” of the Generation Research Program GRP of the Ludwig-Maximilians-University LMU Munich.
     
  • Gertrud H.-Meitzner, PhD - PhD in Psychology. Details see above: Research Committee of the ERA, Research Coordination.
     
  • PD Dr. med. Dominik Irnich - Medical research at the University of Munich. Focus on pain therapy, evidence based studies on acupuncture, myofascial trigger points. Find articles by Irnich in PubMed.
     
  • Prof. M. Solomonow, PhD,MD (hon) - Professor of Orthopedic Surgery, Director of Bioengineering Division & Musculoskeletal Disorders Research Laboratory, University of Colorado, Denver, Health Sciences Center. Find articles by Solomonow in PubMed.
     
  • Andry Vleeming, PhD - Clinical anatomist and founder of the Spine and Joint Rehabilitation Centre, Rotterdam. Vleeming has worked with a team of experts on the new European Guidelines on Pelvic Girdle pain. He is organizer of the tri-annual World Congress on Low Back & Pelvic Pain www.worldcongresslbp.com. Find articles by Vleeming in PubMed.
     
  • Prof. Harald Walach, PhD - Fesearch professor in psychology, University of Northampton UK, School of Social Sciences, as well as coordinator of the European office of the Samueli Institute. Research on the evaluation of complementary and alternative medicine (CAM) as well as on the methodology of evaluation of CAM. President of the International Society for Complementary Medical Research.  

Cover photo (c) fascialnet.com